Ein Tag zum Vergessen

Sommerreisen 2019 – Die Erste – 8. Mai – Tag 2 von ???

Strecke: 142,8 km – Fahrzeit: 7:37:45 – Höhenmeter: 468 – Temperatur 5° – 15° Durchschnitt 9° – Wind mäßig aus westlichen Richtungen – Bis zur Hälfte schwacher bis mäßiger Nieselregen

Ausgaben:
€ 9,00 Campingplatz

Tiere gesichtet:
Pferde, Ponys, Kühe, Schafe, 1 Fuchs, Hunde, 2 Katzen, Hausgänse, Wildgänse, Enten, Hühner, Störche, div. Raubvögel (Bussard, Habicht), div Singvögel (Amsel, Drossel, Star, Meise, Sperling), Tauben, Raben, Krähen, Schwäne

Gut, ganz so schlimm wie der Titel andeutet ist es dann doch nicht. Vermutlich wäre die Tour heute sogar ganz schön gewesen. Aber es ist ein grauer, nasser Tag, kein angenehmer.

Kurz nach sechs Uhr werde ich wach. Nach mehr als acht Stunden tiefem, ungestörten Schlaf. Eine halbe Stunde später stehe ich auf. Es ist trocken, aber kalt. Die Waschräume sind nicht geheizt. Also nur Katzenwäsche. Müsli zum Frühstück. Zum Tee kochen habe ich bei den Temperaturen keine Lust. Saft ist auch okay. Ich packe schnell zusammen, ziehe mich warm an und dann bin ich weg. Punkt neun Uhr rolle ich los.

Es geht flach durch Felder und Wiesen. Und nach einer guten Viertelstunde beginnt es zu nieseln. Nieselregen wird von nun an den halben Tag mein Begleiter sein. Zum Glück nicht sehr stark, sodass ich nicht richtig nass werde. Schnell erreiche ich die Fulda, will dem Fuldaradweg bis kurz vor Hann. Münden folgen.

Meistens folgt der Radweg dem Fluss und zumindest das Radeln ist entspannt. Ich komme gut voran. Auch wenn die Beine heute deutlich müder sind als gestern. Immer wieder muss ich die Flussseite wechseln. Eigentlich an jeder Brücke. Ganz nett mal die andere Seite zu sehen, aber die Steigungen hoch zu den Brücken müssten nicht sein.

Bad Hersfeld ist die erste größere Stadt, Bebra streife ich nur, durch Rotenburg geht es direkt hindurch. Alls hübsche Städtchen, aber bei dem Schmuddelwetter ist Anhalten nicht verlockend. Nach gut 40 Kilometern die erste Pause. Zwangspause. Ich muss etwas essen und trinken. Mich einen Augenblick ausruhen. Finde eine Bushaltestelle die mir ein Dach über den Kopf bietet. Jetzt wo ich anhalte wird mir schnell kalt. Also nur kurze Pause und weiter. Der Nieselregen wird nun auch etwas stärker. Aber noch erträglich. Denke kurz daran meine Regenklamotten auszupacken. Entscheide mich dann aber doch, noch abzuwarten ob der Regen stärker wird.

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Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
08:10:23 07:37:45 142.79 18.72 59.40 468.00
hours hours km km/h km/h meters

Ein vollzweifelter Tag

Sommerreisen 2019 – Die Erste – 7. Mai – Tag 1 von ???

Strecke: 144,7 km – Fahrzeit: 7:37:03 – Höhenmeter: 937 – Temperatur: 8° – 24° Durchschnitt 11° – Wind schwach aus nördlichen Richtungen

Ausgaben:
€ 9,50 Campingplatz

Tiere gesichtet:
Pferde, Kühe, Schafe, 1 Reh, Hunde, Gänse, Enten, Hühner, Störche, div. Raubvögel (Bussard, Habicht), div. Singvögel (Amsel, Drossel, Star, Meise, Sperling, etc.), Tauben, Raben, Krähen, Schwäne

Der Tag fängt gut an. Zu gut vermutlich. Ich wache um halb sieben auf. Ausgeschlafen und erholt. Frühstück, dann Ausrüstung verpacken. Alles passt. Die Gewichte sind noch etwas ungleichmässig verteilt, aber das richtet sich in den nächsten Tagen. Dann schreit mein Radcomputer auf einmal nach einem Update. Dauert eine gute halbe Stunde mit zwei Neustarts. Dann verschluckt er sich beim synchronisieren der Tracks. Stelle fest dass Schweden und Norwegen als Gesamtdateien zu groß sind. Sagt aber nichts darüber, der Gute. Muss ich selber rausfinden. Synchronisiert aber mal garnichts. Als ich die großen Dateien lösche, klappt es endlich. Ich weiß, ich hätte es schon vor Tagen machen können. Habe ich aber nicht. Verliere lieber jetzt eine gute Stunde.

Als ich die Taschen nach unten trage, denke ich dass die Tasche für den Anhänger wohl etwas schwer sein könnte. Egal, muss gehen. Habe ihn auch extra mit mehr Vorräten vollgepackt als ich eigentlich in Deutschland brauchen würde. Aber in Nordskandinavien werde ich so viel brauchen. Dort sollen die Supermärkte und Tankstellen nicht so dicht gestreut sein wie in Mitteleuropa. Also hier schon mal testen.

Das Rad ist schnell beladen. Hab anscheinend noch Übung vom letzten Jahr. Halb elf rolle ich endlich los. Die Eisenbahnbrücke vor der Haustür komme ich erstaunlich gut hoch. Runter auch. Die Bremsen fassen, keine Probleme mit dem Gewicht. Diese Zweifel sind beseitigt. Fühlt sich gut an.

Am Main entlang geht es durch Frankfurt. Wenig Leute unterwegs bei dem Wetter. Es ist kühl und ein leichter Wind weht aus Nord. Kann sich aber nicht entscheiden ob Nordwest oder Nordost. Also kommt er von überall mal.

Meinen Plan wie im letzten Jahr die Rumpenheimer Fähre zu nehmen, lasse ich fallen. Bin eh schon spät dran. Wenn ich Pech habe, und ich habe bei so etwas meistens Pech, verliere ich nochmal eine halbe Stunde weil ich sie gerade ablegen sehe wenn ich ankomme. Also in Fechenheim über die Brücke. Ein bisschen wackelig in den engen Kurven, aber es geht. Vorne in den Taschen ist zuviel Gewicht. Der Lenker ist etwas instabil. Ein bisschen was von der Ladung muss nach hinten. Morgen langt.

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Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
08:28:16 07:37:03 144.68 18.99 46.44 937.00
hours hours km km/h km/h meters

Deutschland im Mai, (fast) ein Wintermärchen

Hat Schnee auf dem Zelt etwas romantisches? Nein! Also verzichte ich auf das Glückspiel ob es nun bis in die Niederungen schneit oder nicht. Ich bleibe das eklige Wochenende noch hier.

Nun, die Wetterkapriolen der Klimaerwärmung sind ein Grund für eine kurze Verschiebung. Ein weiterer ist, dass ich noch einiges zu erledigen habe. Mit Gewalt und “Auf-Teufel-komm-raus” hätte ich wohl alles geschafft, aber dann wäre da das ungute Gefühl gewesen doch noch etwas vergessen zu haben. So bescheren mir die winterlichen Temperaturen in Verbindung mit Regen und/oder Schnee genug Zeit um alles in Ruhe zu erledigen. Und zum Dritten fühle ich mich nach der tollen Velotour Eschborn-Frankfurt noch ein wenig schlapp, sodass auch hier ein paar Tage Ruhe willkommen sind. Vor allem weil die ersten Etappen doch recht ambitioniert werden.

Gut, mehr Worte über das Wetter zu verlieren, wäre wie Schnee auf den Mount Everest tragen. Nur noch so viel: Wenn es in Skandinavien mal kalt und nass wird, dann ist das okay. Aber hier in Mitteleuropa, Anfang Mai, zwei Monate bevor die Tage schon wieder kürzer werden – das geht überhaupt nicht.

Zelt steht – Aufbau 10 Minuten – Abbau 5 Minuten

Die Woche vergeht recht schnell. Ein paar Arztbesuche – alles okay, nur ein paar Gesundheitschecks die Topwerte liefern -, die Ausrüstung durchsehen und überprüfen, einmal das Zelt aufstellen und noch diverse Einkäufe für die Tour. Jetzt, so ohne Auto dauert alles natürlich ein wenig länger. Aber das ist schon in Ordnung. Nur das leidige Wetter muss ich natürlich einkalkulieren wenn ich alles mit dem Fahrrad erledige. Ich will immer noch nicht nass werden. Ein paar Tropfen okay, aber keine Volldusche.

Dienstag treffe ich mich am Nachmittag mit Rolf um die Startunterlagen für die Velotour abzuholen. Vom Stadion radeln wir gemeinsam nach Eschborn. Nachdem wir unsere Startnummern haben läuft uns Didi Senft, der rote Teufel, bekannt durch die Tour de France, über den Weg. Selfietime! Bei der Nudelparty unterhalten wir uns noch eine Weile mit anderen Bekannten, bevor es bestens gerüstet für den nächsten Tag wieder nach Hause geht.

Mittwoch steht dann das Radrennen auf dem Programm. Die Velotour Eschborn Frankfurt ist sozusagen der Höhepunkt des Jahres für mich. Habe mich schon im letzten Jahr angemeldet. Es macht einfach einen Riesenspass über abgesperrte Straßen zu fahren auf die ich mich sonst nicht mit dem Rad wagen würde. Es geht von Eschborn durch Frankfurt und den Taunus. Man fährt sozusagen den Asphalt warm für die Profis die am Nachmittag die selbe Strecke befahren, nur großzügig verlängert. Meinen Rennbericht findet ihr hier.

Donnerstag nach langem Ringen mit mir und noch längeren Konsultationen der einschlägigen Wetterseiten fälle ich irgendwann gegen Abend die Entscheidung die Abfahrt zu verschieben. Ich peile nun Montag oder Dienstag als neuen Starttermin an. Vermutlich eher Dienstag. Das lässt mir genug Zeit die letzten Kleinigkeiten in Ruhe zu erledigen und bietet den Temperaturen die Gelegenheit wieder halbwegs normale Werte zu erreichen. Alles weitere wird sich finden wenn ich unterwegs bin.

Velotour Eschborn – Frankfurt, 1. Mai 2019

Dienstagnachmittag treffe ich mich mit Rolf vom Radteam Neu-Isenburg am Stadion um gemeinsam die Startunterlagen abzuholen. Wir radeln auf Schleichwegen nach Eschborn um stark befahrene Straßen zu vermeiden. Die Ausgabe unserer Startnummern geht schnell und dann läuft uns Didi Senft, der rote Teufel, bekannt durch die Tour de France, über den Weg. Selfietime! Bei der anschließenden Nudelparty unterhalten wir uns noch eine Weile mit diesem oder jenem Bekannten bevor wir uns bestens gerüstet für den nächsten Tag auf den Heinweg machen.

Prominenz in Eschborn

Die Velotour Eschborn Frankfurt am Mittwoch dem 1. Mai ist einer der Höhepunkte des Jahres für mich. Habe mich schon Ende letzten Jahres angemeldet. Es ist einfach ein Riesenspaß über abgesperrte Straßen zu fahren auf die ich mich sonst nicht mit dem Rad wagen würde. Die Strecke führt von Eschborn durch Frankfurt und den Taunus wieder zurück nach Eschborn. Man fährt sozusagen den Asphalt warm für die Profis, die am Nachmittag die gleiche Strecke befahren, nur für sie eben großzügig verlängert.

Um Viertel vor Acht fahre ich gemütlich von Zuhause los. Es ist noch schweinekalt, aber sonnig. Ungefähr zwölf Kilometer sind es bis zum Start in Eschborn. Nach einer halben Stunde bin ich dort. Am Kaffeestand treffe ich ein paar Mitfahrer vom Radteam Neu-Isenburg. Gemeisam gehen wir nochmal die doch recht simple Taktik durch – kräftig reintreten, heil durch Frankfurt kommen, unfallfrei bis zum Ziel. Das reicht.

So langsam wird es ernst

Der Startschuss fällt um Viertel vor neun. Es dauert einige Zeit bis Bewegung in meinen Startblock kommt. Erst kurz nach neun rolle ich endlich über die Startlinie. Wind ist kaum zu spüren während es durch Rödelheim Richtung Innenstadt geht. Das Tempo ist schnell, sehr schnell. Ich weiß worauf ich achten muss. Ein paar Straßenbahnschienen mit der gebotenen Vorsicht queren und aus größeren Gruppen raushalten. Letzteres vor allem weil es doch viele Fahrer gibt die Gruppenfahrten nicht gewohnt sind und so ein potentielles Unfallrisiko darstellen. Habe schon ein paar Mal erlebt dass direkt vor mir Fahrer zu Boden gegangen sind. Bin zwar immer knapp daran vorbeigekommen, aber ich will mein Glück nicht herausfordern.

Die Fahrt durch die Innenstadt ist rasant. Runter an den Main, die Mainschleife, durchs Bankenviertel, am Eschersheimer Turm vorbei und wieder raus aus der Stadt Richtung Rosa-Luxemburg-Straße. Die Zeitnahme zeigt mir später einen Schnitt von 38 km/h. Wahnsinn.

Richtung Oberursel nehme ich etwas raus. Bereite mich auf den Anstieg zum Feldberg vor. Ein gutes Stück vor dem eigentlich Beginn am Kreisel Hohemark geht es schon aufwärts. Stetig steigt die Straße bis zum Taunabad und das sprengt die Gruppen die sich vorher auf dem eher flachen Streckenteil gebildet hatten. An der Zeitnahme Hohemark liegt mein Schnitt immer noch bei 31 km/h.

Der Feldberg rollt gut wie immer. Bin ihn dieses Jahr schon ein paar Mal gefahren. Hinter der Applauskurve halte ich ein kurzes Schwätzchen mit einem etwa gleichschnelle Fahrer. Mammolshainer oder nicht ist seine Frage. Ich rate ihm, es auf jeden Fall zu versuchen. Am Sandplacken lasse ich ihn dann hinter mir und hole kurz darauf Rolf wieder ein mit dem ich zusammen gestartet war. Ich denke dass ich ihn hinter mir gelassen habe, aber kurz vor der höchsten Stelle sehe ich hinter mir aus den Augenwinkeln etwas Blaues funkeln. Ich drehe mich kurz um. Ein Sternchentrikot. Es ist Rolf, der sich an mein Hinterrad gehängt hat. Von vielen gemeinsam bezwungenen Bergen kennt er meinen Rhythmus und kann mir gut folgen.

Bergab ist er kurz darauf schnell weg. Bis kurz vor der Kittelhütte sehe ich ihn noch, dann verliere ich ihn endgültig aus den Augen. Rolf ist ein ausgezeichneter Abfahrer und sein Hinterrad zu halten gelingt mir einfach nicht. Mit Scheibenbremsen kann er viel ökonomischer bremsen und dadurch rasch entscheidende Meter Vorsprung herausfahren.

In der Abfahrt nach Oberems überholt mich mein Vereinskollege Bernd. Er ist zehn Minuten nach mir gestartet. Tolle Leistung. Hinter Oberems der Schweineberg auf der B8 nach Glashütten. Zieht sich lange und tut weh. Außerdem merke ich nun immer deutlicher dass ich viel zu dick angezogen bin. Die Sonne heizt ordentlich ein und es ist lange nicht mehr so kalt wie morgens bei meiner Abfahrt. Fehler Nummer Eins!

Irgendwann ist der elende Anstieg geschafft uns es geht wieder runter nach Schlossborn und zum Fuss des Ruppertshainers. Irgendwie hatte ich den falsch in Erinnerung – ich fahre dort eigentlich immer nur runter – erwarte das steilste Stück ganz oben. Als ich erkenne dass es nicht mehr kommt bin ich schon oben. Ich nehme einen Schluck aus meiner inzwischen fast leeren Flasche. Aber der Mund bleibt immer noch trocken. In Erwartung von kühleren Temperaturen hatte ich nur eine Flasche mitgenommen. Fehler Nummer Zwei!

Egal, jetzt geht es erstmal lange bergab. Im Ruppertshain kann ich meine Ortskenntnis voll ausspielen. Wo die meisten abbremsen, fahre ich schnell durch. Ich kenne jede Kurve, weiß welche Schlaglöcher ich umfahren muss und welche ich einfach mitnehmen kann. Am Anstieg in Fischbach brennen mir zum ersten Mal die Schenkel. Ich muss rausnehmen. Nur langsam komme ich hoch. Zu langsam für meinen Geschmack. In Kelkheim kann ich das Kopfsteinpflaster im kurzen Anstieg Richtung Gundelhardt dann schon wieder gut wegdrücken. Auch durch Sulzbach und Schwalbach läuft es wieder richtig rund.

Die stolzen Finisher!

Kurz vor Mammolshain der letzte Schluck aus der Flasche. Muss reichen bis ins Ziel. Am ersten steilen Anstieg, der am Ortsschild beginnt, kommt der Hammer. Mir explodieren fast die Oberschenkel. Es schmerzt höllisch. Ich befürchte einen Krampf zu bekommen. Muss aber weitertreten. Oder absteigen. Natürlich keine Option! Irgendwie schaffe ich die steilen hundert Meter. Danach geht es zwar weiter bergauf, aber mit etwas weniger Prozenten. Ich trete ganz langsam damit sich die Muskeln wieder regenerieren können. Hier zahle ich nun für meinen Leichtsinn am Getränk zu sparen. Werde ich den Mammolshainer Stich überhaupt schaffen?

Viel zu schnell geht es rechts weg und er baut er sich vor mir auf. Das leichte Treten bringt jetzt nichts mehr. Hier ist voller Einsatz nötig. Die Zuschauer die links und rechts stehen und jeden Radfahrer lautstark hochpushen nehme ich kaum war. Gleich am Anfang gehe ich aus dem Sattel und drücke mich Meter um Meter nach oben. Ich versuche nicht an meine Oberschenkel zu denken. Will sie nicht auf dumme Ideen bringen. Fokussiere nur den Scheitelpunkt am Ende der Stichstraße mit ihrer Steigung von über 20%. Zwei Drittel sind geschafft. Jetzt weiß ich dass ich es schaffen werde. Fahre die letzten Meter sogar wieder im Sitzen.

Leider ist oben am Stich aber noch nicht Schluss mit lustig. Nur moderater ist der spassige Anstieg nun. Noch zwei Kilometer bis Königstein. Ein gutes Viertel davon brauche ich um meinen Puls und die Atmung wieder auf halbwegs normale Frequenzen zu bekommen. Der Mund ist irgendwie pappig. Die Zunge klebt am Gaumen. Das kann ich nicht ändern.

Endlich ist Königstein erreicht. Vorbei am Opel-Zoo und durch Kronberg geht es wie im Fluge fast nur noch bergab. Auf der gesperrten Schnellstraße zwischen Kronberg und Eschborn finde ich eine schnelle Gruppe. Hänge mich rein und nehme mich aus dem Wind. Das Tempo ist schön schnell auf den letzten Kilometern. Etwa achthundert Meter vor dem Ziel unternehme ich einen Fluchtversuch. Obwohl ich mir der Sinnlosigkeit schon im voraus bewusst bin. Ich springe vor zu zwei anderen Fahrern die sich abgesetzt haben. Gehe nach vorne in den Wind. Dreihundert Meter vor dem Ziel ist es vorbei. Die Gruppe schluckt mich wieder. Keine Chance einer Gruppe wegzufahren. Aber den Spaß war es mir wert.

Mit einer Zeit von 3:25:11 Stunden rolle ich über die Ziellinie. Schnitt auf der Gesamtstrecke 32,68 km/h. Platz 42 in meiner Alterklasse. Genau im Mittelfeld. Ich bin zufrieden. Ohne Fehler Eins und Zwei wäre sicher noch ein bisschen mehr drin gewesen. Live and learn!

Hinter dem Ziel treffe ich Rolf wieder. Er war drei Minuten schneller als ich. Super gemacht! Am vereinbarten Treffpunkt warten schon die schnelleren Fahrer aus meinem Verein. Nach und nach trudeln auch die Langsameren ein. Wir verbringen gemeinsam noch eine gemütliche Stunde bei Bier und Radlerlatein bevor wir uns voneinander verabschieden. Ich rolle gemütlich nach Hause. Schlängle mich durch die vielen Feiertagsausflügler und schaue dann noch bei meinem anderen Verein vorbei, dem Kanu-Club Kelsterbach. Dort wird nach einer wesentlich kürzeren, aber vermutlich für viele kaum weniger anstrengenden Radtour gegrillt. Ich bleibe noch auf ein Radler, aber dann höre ich deutlich meine Couch rufen.

Geht’s bald los oder geht’s bald los?

Noch fünf Tage und die Vorbereitungen stecken wie üblich noch in den Kinderschuhen. Aber das wird schon. Viele Sachen muss ich nicht mehr besorgen, Gaskartuschen und ein paar Lebensmittel für die ersten Tage. Was sonst noch fehlt oder ersetzt werden muss, sehe ich morgen beim Probepacken.

Die Streckenplanung steht auch weitestgehendst. Hinfahrt bis Kirkenes ist fertig. Norwegen und die Rückfahrt durch Dänemark und Deutschland sind noch Pi mal Daumen. Insgesamt komme ich auf über 10,000 Kilometer. Das ist sehr ambitioniert. Im Moment bin ich bei einem Tagesschnitt von 96 Kilometern. Ohne Ruhetage oder Schlechtwetterpausen.

96 Kilometer pro Tag hört sich im ersten Moment nicht so viel an. Aber je nach Streckenprofil schaffe ich mit vollbeladenem Rad und Anhänger 15 – 17 Kilometer in der Stunde. Das wären also um die 6 Stunden reine Fahrzeit pro Tag. Hört sich auch nicht viel an. Da ich im hohen Norden nicht so eine Hitzewelle erwarte wie im letzten Jahr, was meinen Tagesschnitt doch erheblich gedrückt hat, sollte es machbar sein. Mal schauen wie es läuft.

Sollte mir das Wetter zu viel Striche durch die Rechnung machen – ich werde nicht bei Dauerregen fahren – hat die Strecke noch Optimierungspotential. Ich kann in Finnland den Schlenker nach Süden verkürzen oder in Norwegen Teile mit dem Schiff fahren, wenn der Küstenverlauf zuviel Kilometer in Anspruch nimmt. Im schlimmsten Fall kann ich direkt von Schweden zum Nordkapp fahren und Finnland dann ein anderes Mal beradeln. Alles wird im Fluss sein.

Ich bin gespannt wie lange ich brauche um wieder in den Reisemodus zu kommen. Es dauert sicher ein paar Tage bis die tägliche Routine greift. Zu Beginn will ich wenn immer möglich auf Campingplätzen übernachten. In Dänemark dann der erste Naturlagerplatz. Und ab Schweden vorwiegend freies Zelten. Alle paar Tage dann ein Campingplatz oder eine Hütte wenn es das Wetter nötig macht oder ich mal wieder eine heiße Dusche brauche.

Die erste Etappe ist sportlich. Über 140 Kilometer bis Schlitz. Auf dem Vulkanradweg vorwiegend bergauf. Zwar moderat ohne große Steigungen, aber trotzdem bergauf. Die Zweite dann an der Fulda entlang. Nochmal über 140 Kilometer. Auch Tag drei ist lang. Diesmal über 150 Kilometer. Ein kurzer Anstieg aus dem Tal der Weser heraus an die Leine und der weitgehend flach bis kurz vor Hannover folgen.

Ab dort werden die Abschnitte kürzer, immer so um die 100 Kilometer pro Tag. Lüneburger Heide, Lauenburg, Lübeck, Pelzerhaken bei Neustadt in Holstein. Dort vielleicht ein Ruhetag und die alte Heimat besuchen. Dann über den Fehmarnbelt nach Dänemark und in zwei Tagen bis Helsingör bevor es nach Schweden geht. Soweit der erste Plan. Mal sehen was daraus wird.

Farewell Mallorca Frühjahr 2019

Sechs Wochen Frühling auf Mallorca, der schönsten Insel der Welt, sind vorüber. Und was für ein Frühling es war. An den meisten Tagen strahlte die Sonne von einem makellos blauen Himmel. Ab und zu gab es Wolken, meistens Fotowölkchen. Und nur vier Regentage während der ganzen Zeit. Davon zwei in der verlängerten Woche als mein Radteam Neu-Isenburg hier war.

3000 Kilometer in sechs Wochen – Auf der Ma-3430 bei Kilometer 6 kurz hinter Muro war es vollbracht.

Die Temperaturen waren, zumindest tagsüber, angenehm warm. An ein paar Tagen wurde die 20-Grad-Marke erreicht, meistens war es zwischen 15 und 18 Grad warm. Die Nächte dagegen waren oft noch lausig kalt. Gerade am Anfang rückten sie oft bis knapp an den Gefrierpunkt. Aber sobald die Sonne aufging, zeigte sie ihre Kraft. Wenn sie wieder weg war, rauschte das Thermometer jedoch sofort wieder in den Keller.

Der Wind war auch wieder ein Thema. Allerdings nicht so stark und beständig aus westlichen Richtungen wie im letzten Jahr. Es gab sogar fast windstille Tage, außergewöhnlich auf einer Insel. Zum Ende sorgte nochmal ein fieser Nordostwind für gefühlte Kühlschranktemperaturen. Ein paar wenige Tage waren stürmisch, auf die ich dann Wander- oder Ruhetage legte. In der letzten Woche blies ein besonders heftiger Wind, der im Gebirge sogar eine Radlerin von der Straße einen Abhang herunter blies. Verständlich dass man bei wenigen Tagen auf der Insel jeden Tag ausnützen möchte, der Tag war jedoch wirklich nicht zum Radfahren geeignet. Vor allem nicht in den Bergen.

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Tag 26 – Der Berg ruft

Samstag, 30. Juni 2018 – Tag 26 – Laggan bis Fort William
66 km von total 1289 km

Sonnig, wolkenlos, trocken, schwacher Wind aus westlichen Richtungen, Temperatur 18 – 28 Grad Celsius

Heute ist Tag des Abschieds. Meine Freunde vom Kanu-Club Kelsterbach müssen zurück nach Hause fliegen und ich mache mich wieder solo auf den Weg. Nächstes Ziel sind die Äußeren Hebriden. Mit der Fähre ab Oban. Wären gute 150 Kilometer bis Oban. An einem Tag zu schaffen, da vorwiegend flach. Aber da liegt ein Berg dazwischen. Der Ben Nevis oder auf gälisch Beinn Nibheis. Der höchste Berg Großbritanniens. Mit 1345 Metern kein Vergleich mit dem Alpen. Aber dieser Berg ruft.

Also heute nur eine kurze Etappe von etwas über 60 Kilometern. Ziel ist der Campingplatz direkt unterhalb des Berges. Das passende Basislager sozusagen.

Um halb zehn verabschieden wir uns vor dem Ferienhaus. Meine Freunde fahren links herum Richtung Edinburgh, ich nach rechts. Richtung Fort William. Es ist jetzt schon mollig warm. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen, blauen Himmel. Ideales Radwetter für mich.

Ab Laggan führt mich mein Weg auf der A86 fast eben durch ein wunderschönes Hochtal zum Loch Laggan. Der langgezogene See hat viele helle Sandstrände die zum Baden einladen. Ich genieße jedoch nur den Anblick. Der Verkehr ist gering, die meisten Fahrzeuge kommen mir entgegen. Es geht zum Wochenende in die Berge.

Ich folge dem Fluss Spean. Nach wenigen Kilometern ist er zu einem Stausee aufgestaut. Die Staumauer ist schon etwas älter. Ein interessantes Bauwerk. Danach geht es langsam abwärts. Immer weiter am Fluss entlang der durch die Landschaft mäandert. Am Horizont thront schon der Ben Nevis.

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