Deutschland im Mai, (fast) ein Wintermärchen

Hat Schnee auf dem Zelt etwas romantisches? Nein! Also verzichte ich auf das Glückspiel ob es nun bis in die Niederungen schneit oder nicht. Ich bleibe das eklige Wochenende noch hier.

Nun, die Wetterkapriolen der Klimaerwärmung sind ein Grund für eine kurze Verschiebung. Ein weiterer ist, dass ich noch einiges zu erledigen habe. Mit Gewalt und “Auf-Teufel-komm-raus” hätte ich wohl alles geschafft, aber dann wäre da das ungute Gefühl gewesen doch noch etwas vergessen zu haben. So bescheren mir die winterlichen Temperaturen in Verbindung mit Regen und/oder Schnee genug Zeit um alles in Ruhe zu erledigen. Und zum Dritten fühle ich mich nach der tollen Velotour Eschborn-Frankfurt noch ein wenig schlapp, sodass auch hier ein paar Tage Ruhe willkommen sind. Vor allem weil die ersten Etappen doch recht ambitioniert werden.

Gut, mehr Worte über das Wetter zu verlieren, wäre wie Schnee auf den Mount Everest tragen. Nur noch so viel: Wenn es in Skandinavien mal kalt und nass wird, dann ist das okay. Aber hier in Mitteleuropa, Anfang Mai, zwei Monate bevor die Tage schon wieder kürzer werden – das geht überhaupt nicht.

Zelt steht – Aufbau 10 Minuten – Abbau 5 Minuten

Die Woche vergeht recht schnell. Ein paar Arztbesuche – alles okay, nur ein paar Gesundheitschecks die Topwerte liefern -, die Ausrüstung durchsehen und überprüfen, einmal das Zelt aufstellen und noch diverse Einkäufe für die Tour. Jetzt, so ohne Auto dauert alles natürlich ein wenig länger. Aber das ist schon in Ordnung. Nur das leidige Wetter muss ich natürlich einkalkulieren wenn ich alles mit dem Fahrrad erledige. Ich will immer noch nicht nass werden. Ein paar Tropfen okay, aber keine Volldusche.

Dienstag treffe ich mich am Nachmittag mit Rolf um die Startunterlagen für die Velotour abzuholen. Vom Stadion radeln wir gemeinsam nach Eschborn. Nachdem wir unsere Startnummern haben läuft uns Didi Senft, der rote Teufel, bekannt durch die Tour de France, über den Weg. Selfietime! Bei der Nudelparty unterhalten wir uns noch eine Weile mit anderen Bekannten, bevor es bestens gerüstet für den nächsten Tag wieder nach Hause geht.

Mittwoch steht dann das Radrennen auf dem Programm. Die Velotour Eschborn Frankfurt ist sozusagen der Höhepunkt des Jahres für mich. Habe mich schon im letzten Jahr angemeldet. Es macht einfach einen Riesenspass über abgesperrte Straßen zu fahren auf die ich mich sonst nicht mit dem Rad wagen würde. Es geht von Eschborn durch Frankfurt und den Taunus. Man fährt sozusagen den Asphalt warm für die Profis die am Nachmittag die selbe Strecke befahren, nur großzügig verlängert. Meinen Rennbericht findet ihr hier.

Donnerstag nach langem Ringen mit mir und noch längeren Konsultationen der einschlägigen Wetterseiten fälle ich irgendwann gegen Abend die Entscheidung die Abfahrt zu verschieben. Ich peile nun Montag oder Dienstag als neuen Starttermin an. Vermutlich eher Dienstag. Das lässt mir genug Zeit die letzten Kleinigkeiten in Ruhe zu erledigen und bietet den Temperaturen die Gelegenheit wieder halbwegs normale Werte zu erreichen. Alles weitere wird sich finden wenn ich unterwegs bin.

Geht’s bald los oder geht’s bald los?

Noch fünf Tage und die Vorbereitungen stecken wie üblich noch in den Kinderschuhen. Aber das wird schon. Viele Sachen muss ich nicht mehr besorgen, Gaskartuschen und ein paar Lebensmittel für die ersten Tage. Was sonst noch fehlt oder ersetzt werden muss, sehe ich morgen beim Probepacken.

Die Streckenplanung steht auch weitestgehendst. Hinfahrt bis Kirkenes ist fertig. Norwegen und die Rückfahrt durch Dänemark und Deutschland sind noch Pi mal Daumen. Insgesamt komme ich auf über 10,000 Kilometer. Das ist sehr ambitioniert. Im Moment bin ich bei einem Tagesschnitt von 96 Kilometern. Ohne Ruhetage oder Schlechtwetterpausen.

96 Kilometer pro Tag hört sich im ersten Moment nicht so viel an. Aber je nach Streckenprofil schaffe ich mit vollbeladenem Rad und Anhänger 15 – 17 Kilometer in der Stunde. Das wären also um die 6 Stunden reine Fahrzeit pro Tag. Hört sich auch nicht viel an. Da ich im hohen Norden nicht so eine Hitzewelle erwarte wie im letzten Jahr, was meinen Tagesschnitt doch erheblich gedrückt hat, sollte es machbar sein. Mal schauen wie es läuft.

Sollte mir das Wetter zu viel Striche durch die Rechnung machen – ich werde nicht bei Dauerregen fahren – hat die Strecke noch Optimierungspotential. Ich kann in Finnland den Schlenker nach Süden verkürzen oder in Norwegen Teile mit dem Schiff fahren, wenn der Küstenverlauf zuviel Kilometer in Anspruch nimmt. Im schlimmsten Fall kann ich direkt von Schweden zum Nordkapp fahren und Finnland dann ein anderes Mal beradeln. Alles wird im Fluss sein.

Ich bin gespannt wie lange ich brauche um wieder in den Reisemodus zu kommen. Es dauert sicher ein paar Tage bis die tägliche Routine greift. Zu Beginn will ich wenn immer möglich auf Campingplätzen übernachten. In Dänemark dann der erste Naturlagerplatz. Und ab Schweden vorwiegend freies Zelten. Alle paar Tage dann ein Campingplatz oder eine Hütte wenn es das Wetter nötig macht oder ich mal wieder eine heiße Dusche brauche.

Die erste Etappe ist sportlich. Über 140 Kilometer bis Schlitz. Auf dem Vulkanradweg vorwiegend bergauf. Zwar moderat ohne große Steigungen, aber trotzdem bergauf. Die Zweite dann an der Fulda entlang. Nochmal über 140 Kilometer. Auch Tag drei ist lang. Diesmal über 150 Kilometer. Ein kurzer Anstieg aus dem Tal der Weser heraus an die Leine und der weitgehend flach bis kurz vor Hannover folgen.

Ab dort werden die Abschnitte kürzer, immer so um die 100 Kilometer pro Tag. Lüneburger Heide, Lauenburg, Lübeck, Pelzerhaken bei Neustadt in Holstein. Dort vielleicht ein Ruhetag und die alte Heimat besuchen. Dann über den Fehmarnbelt nach Dänemark und in zwei Tagen bis Helsingör bevor es nach Schweden geht. Soweit der erste Plan. Mal sehen was daraus wird.