Velotour Eschborn – Frankfurt, 1. Mai 2019

Dienstagnachmittag treffe ich mich mit Rolf vom Radteam Neu-Isenburg am Stadion um gemeinsam die Startunterlagen abzuholen. Wir radeln auf Schleichwegen nach Eschborn um stark befahrene Straßen zu vermeiden. Die Ausgabe unserer Startnummern geht schnell und dann läuft uns Didi Senft, der rote Teufel, bekannt durch die Tour de France, über den Weg. Selfietime! Bei der anschließenden Nudelparty unterhalten wir uns noch eine Weile mit diesem oder jenem Bekannten bevor wir uns bestens gerüstet für den nächsten Tag auf den Heinweg machen.

Prominenz in Eschborn

Die Velotour Eschborn Frankfurt am Mittwoch dem 1. Mai ist einer der Höhepunkte des Jahres für mich. Habe mich schon Ende letzten Jahres angemeldet. Es ist einfach ein Riesenspaß über abgesperrte Straßen zu fahren auf die ich mich sonst nicht mit dem Rad wagen würde. Die Strecke führt von Eschborn durch Frankfurt und den Taunus wieder zurück nach Eschborn. Man fährt sozusagen den Asphalt warm für die Profis, die am Nachmittag die gleiche Strecke befahren, nur für sie eben großzügig verlängert.

Um Viertel vor Acht fahre ich gemütlich von Zuhause los. Es ist noch schweinekalt, aber sonnig. Ungefähr zwölf Kilometer sind es bis zum Start in Eschborn. Nach einer halben Stunde bin ich dort. Am Kaffeestand treffe ich ein paar Mitfahrer vom Radteam Neu-Isenburg. Gemeisam gehen wir nochmal die doch recht simple Taktik durch – kräftig reintreten, heil durch Frankfurt kommen, unfallfrei bis zum Ziel. Das reicht.

So langsam wird es ernst

Der Startschuss fällt um Viertel vor neun. Es dauert einige Zeit bis Bewegung in meinen Startblock kommt. Erst kurz nach neun rolle ich endlich über die Startlinie. Wind ist kaum zu spüren während es durch Rödelheim Richtung Innenstadt geht. Das Tempo ist schnell, sehr schnell. Ich weiß worauf ich achten muss. Ein paar Straßenbahnschienen mit der gebotenen Vorsicht queren und aus größeren Gruppen raushalten. Letzteres vor allem weil es doch viele Fahrer gibt die Gruppenfahrten nicht gewohnt sind und so ein potentielles Unfallrisiko darstellen. Habe schon ein paar Mal erlebt dass direkt vor mir Fahrer zu Boden gegangen sind. Bin zwar immer knapp daran vorbeigekommen, aber ich will mein Glück nicht herausfordern.

Die Fahrt durch die Innenstadt ist rasant. Runter an den Main, die Mainschleife, durchs Bankenviertel, am Eschersheimer Turm vorbei und wieder raus aus der Stadt Richtung Rosa-Luxemburg-Straße. Die Zeitnahme zeigt mir später einen Schnitt von 38 km/h. Wahnsinn.

Richtung Oberursel nehme ich etwas raus. Bereite mich auf den Anstieg zum Feldberg vor. Ein gutes Stück vor dem eigentlich Beginn am Kreisel Hohemark geht es schon aufwärts. Stetig steigt die Straße bis zum Taunabad und das sprengt die Gruppen die sich vorher auf dem eher flachen Streckenteil gebildet hatten. An der Zeitnahme Hohemark liegt mein Schnitt immer noch bei 31 km/h.

Der Feldberg rollt gut wie immer. Bin ihn dieses Jahr schon ein paar Mal gefahren. Hinter der Applauskurve halte ich ein kurzes Schwätzchen mit einem etwa gleichschnelle Fahrer. Mammolshainer oder nicht ist seine Frage. Ich rate ihm, es auf jeden Fall zu versuchen. Am Sandplacken lasse ich ihn dann hinter mir und hole kurz darauf Rolf wieder ein mit dem ich zusammen gestartet war. Ich denke dass ich ihn hinter mir gelassen habe, aber kurz vor der höchsten Stelle sehe ich hinter mir aus den Augenwinkeln etwas Blaues funkeln. Ich drehe mich kurz um. Ein Sternchentrikot. Es ist Rolf, der sich an mein Hinterrad gehängt hat. Von vielen gemeinsam bezwungenen Bergen kennt er meinen Rhythmus und kann mir gut folgen.

Bergab ist er kurz darauf schnell weg. Bis kurz vor der Kittelhütte sehe ich ihn noch, dann verliere ich ihn endgültig aus den Augen. Rolf ist ein ausgezeichneter Abfahrer und sein Hinterrad zu halten gelingt mir einfach nicht. Mit Scheibenbremsen kann er viel ökonomischer bremsen und dadurch rasch entscheidende Meter Vorsprung herausfahren.

In der Abfahrt nach Oberems überholt mich mein Vereinskollege Bernd. Er ist zehn Minuten nach mir gestartet. Tolle Leistung. Hinter Oberems der Schweineberg auf der B8 nach Glashütten. Zieht sich lange und tut weh. Außerdem merke ich nun immer deutlicher dass ich viel zu dick angezogen bin. Die Sonne heizt ordentlich ein und es ist lange nicht mehr so kalt wie morgens bei meiner Abfahrt. Fehler Nummer Eins!

Irgendwann ist der elende Anstieg geschafft uns es geht wieder runter nach Schlossborn und zum Fuss des Ruppertshainers. Irgendwie hatte ich den falsch in Erinnerung – ich fahre dort eigentlich immer nur runter – erwarte das steilste Stück ganz oben. Als ich erkenne dass es nicht mehr kommt bin ich schon oben. Ich nehme einen Schluck aus meiner inzwischen fast leeren Flasche. Aber der Mund bleibt immer noch trocken. In Erwartung von kühleren Temperaturen hatte ich nur eine Flasche mitgenommen. Fehler Nummer Zwei!

Egal, jetzt geht es erstmal lange bergab. Im Ruppertshain kann ich meine Ortskenntnis voll ausspielen. Wo die meisten abbremsen, fahre ich schnell durch. Ich kenne jede Kurve, weiß welche Schlaglöcher ich umfahren muss und welche ich einfach mitnehmen kann. Am Anstieg in Fischbach brennen mir zum ersten Mal die Schenkel. Ich muss rausnehmen. Nur langsam komme ich hoch. Zu langsam für meinen Geschmack. In Kelkheim kann ich das Kopfsteinpflaster im kurzen Anstieg Richtung Gundelhardt dann schon wieder gut wegdrücken. Auch durch Sulzbach und Schwalbach läuft es wieder richtig rund.

Die stolzen Finisher!

Kurz vor Mammolshain der letzte Schluck aus der Flasche. Muss reichen bis ins Ziel. Am ersten steilen Anstieg, der am Ortsschild beginnt, kommt der Hammer. Mir explodieren fast die Oberschenkel. Es schmerzt höllisch. Ich befürchte einen Krampf zu bekommen. Muss aber weitertreten. Oder absteigen. Natürlich keine Option! Irgendwie schaffe ich die steilen hundert Meter. Danach geht es zwar weiter bergauf, aber mit etwas weniger Prozenten. Ich trete ganz langsam damit sich die Muskeln wieder regenerieren können. Hier zahle ich nun für meinen Leichtsinn am Getränk zu sparen. Werde ich den Mammolshainer Stich überhaupt schaffen?

Viel zu schnell geht es rechts weg und er baut er sich vor mir auf. Das leichte Treten bringt jetzt nichts mehr. Hier ist voller Einsatz nötig. Die Zuschauer die links und rechts stehen und jeden Radfahrer lautstark hochpushen nehme ich kaum war. Gleich am Anfang gehe ich aus dem Sattel und drücke mich Meter um Meter nach oben. Ich versuche nicht an meine Oberschenkel zu denken. Will sie nicht auf dumme Ideen bringen. Fokussiere nur den Scheitelpunkt am Ende der Stichstraße mit ihrer Steigung von über 20%. Zwei Drittel sind geschafft. Jetzt weiß ich dass ich es schaffen werde. Fahre die letzten Meter sogar wieder im Sitzen.

Leider ist oben am Stich aber noch nicht Schluss mit lustig. Nur moderater ist der spassige Anstieg nun. Noch zwei Kilometer bis Königstein. Ein gutes Viertel davon brauche ich um meinen Puls und die Atmung wieder auf halbwegs normale Frequenzen zu bekommen. Der Mund ist irgendwie pappig. Die Zunge klebt am Gaumen. Das kann ich nicht ändern.

Endlich ist Königstein erreicht. Vorbei am Opel-Zoo und durch Kronberg geht es wie im Fluge fast nur noch bergab. Auf der gesperrten Schnellstraße zwischen Kronberg und Eschborn finde ich eine schnelle Gruppe. Hänge mich rein und nehme mich aus dem Wind. Das Tempo ist schön schnell auf den letzten Kilometern. Etwa achthundert Meter vor dem Ziel unternehme ich einen Fluchtversuch. Obwohl ich mir der Sinnlosigkeit schon im voraus bewusst bin. Ich springe vor zu zwei anderen Fahrern die sich abgesetzt haben. Gehe nach vorne in den Wind. Dreihundert Meter vor dem Ziel ist es vorbei. Die Gruppe schluckt mich wieder. Keine Chance einer Gruppe wegzufahren. Aber den Spaß war es mir wert.

Mit einer Zeit von 3:25:11 Stunden rolle ich über die Ziellinie. Schnitt auf der Gesamtstrecke 32,68 km/h. Platz 42 in meiner Alterklasse. Genau im Mittelfeld. Ich bin zufrieden. Ohne Fehler Eins und Zwei wäre sicher noch ein bisschen mehr drin gewesen. Live and learn!

Hinter dem Ziel treffe ich Rolf wieder. Er war drei Minuten schneller als ich. Super gemacht! Am vereinbarten Treffpunkt warten schon die schnelleren Fahrer aus meinem Verein. Nach und nach trudeln auch die Langsameren ein. Wir verbringen gemeinsam noch eine gemütliche Stunde bei Bier und Radlerlatein bevor wir uns voneinander verabschieden. Ich rolle gemütlich nach Hause. Schlängle mich durch die vielen Feiertagsausflügler und schaue dann noch bei meinem anderen Verein vorbei, dem Kanu-Club Kelsterbach. Dort wird nach einer wesentlich kürzeren, aber vermutlich für viele kaum weniger anstrengenden Radtour gegrillt. Ich bleibe noch auf ein Radler, aber dann höre ich deutlich meine Couch rufen.

Veranstaltungen Rad

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